Heinz-Günter Prager : Doppelkreuz 14/89 1992

  • Heinz-Günter Prager: Doppelkreuz 14/89, 1992 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Heinz-Günter Prager: Doppelkreuz 14/89, 1992 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

  • Heinz-Günter Prager: Doppelkreuz 14/89, 1992 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

    Heinz-Günter Prager: Doppelkreuz 14/89, 1992 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Bernd Hiepe (2012)

Nachdem das Postministerium im Süden Bonns einen neuen Dienstsitz erhalten hatte, wurde dessen ehemaliges Dienstgebäude und die benachbarten Gebäude des Auswärtiges Amtes an der Adenauerallee zu einer zunächst ausschließlich vom Auswärtigen Amt, seit 2000 zu größeren Teilen vom Bundesrechnungshof genutzten Liegenschaft zusammengefasst. Für den attraktiv zum Rhein hin gelegenen Außenbereich auf der Terrasse des in elegantem Schwung verglasten Kasinos wählte man als Kunst am Bau eine Corten-Stahl-Skulptur von Heinz-Günter Prager, geboren 1944 in Herne.
„Doppelkreuz 14/89“ ist eine von Pragers „Bodenskulpturen“. Der scheibenförmige Zylinder mit einem Durchmesser von 320 Zentimetern und das aufgelegte Kreuz bringen es auf eine Höhe von 130 Zentimetern. Damit verzichtete man auf eine Signal- und Fernwirkung der Kunst, die dagegen für die Kantinen- und Terrassenbesucher des heutigen Bundesrechnungshofes gut sichtbar, in der relativen Enge der Terrasse sogar wuchtig in Erscheinung tritt.
Eine spezifische Symbolik und einen inhaltlich auszudeutenden Ortsbezug lässt dieses in sich ruhende „Doppelkreuz“ nicht erkennen. Deutlich aber wird der konzeptuell-gedankliche Ansatz. Der Suggestion nach ist aus einem massiven Körper ein Kreuz ausgeschnitten und mit einer leichten Drehung aufgelegt. „Doppelkreuz“ entwickelt so ein Spiel mit Positiv- und Negativ-Formen und mit Bewegung: Das aufliegende Kreuz tut dies mit seinen Schenkeln als Richtungsanzeiger, der darunter liegende Körper mit seiner – dem Eindruck nach – unter der Last sich nach außen wölbenden Wandung. Ein Umschreiten der allansichtigen Skulptur zeigt, dass das Kreuz einen längeren Schenkel hat und bei einer kurzen Drehung gegen den Uhrzeigersinn beziehungsweise einer längeren Drehung im Uhrzeigersinn in dem massigen Körper darunter verschwinden könnte. Offenkundig geht es „Doppelkreuz“ um primär bildhauerische Fragen des Zusammen- und Entgegenwirkens von Masse- und Raumvolumen, von tragenden und lastenden Momenten, von Körper- und Zeichenhaftigkeit, von vertikalen und horizontalen Bewegungskräften und auch von organischen und geometrisch-anorganischen Formen beziehungsweise Formungsprozessen.
Die beiden Kreuze unterscheiden sich in ausgeklügelten Oppositionen, gehören aber doch untrennbar zusammen. Die Kohärenz unterstreicht der für beide verwendete wetterbeständige Corten-Stahl. Mit seiner Rostbraun oxidierten Oberfläche bildet er einen starken, dabei warmen und sinnlichen Kontrast zum Natursteinbelag der Terrasse und zur Glasfassade der Kantine. Das für Pragers Werk typische Material ist auch Ausdruck einer authentischen künstlerischen Entscheidung und einer unmanipulierten, dem Material und der Prozesshaftigkeit selbst zukommenden Schönheit. MS/JS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.


Freiplastik / Skulptur
Corten-Stahl
Höhe 130 cm, Ø 320 cm
51.129 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 6 Teilnehmern

Bundesrechnungshof
rheinseitige Terrasse vor der Kantine
während der Öffnungszeiten zugänglich

Heinz-Günter Prager, geboren 1944 in Herne, war Professor an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und ist Träger des Villa-Romana-Preises. Im Zentrum seines Schaffens stehen Stahlskulpturen, die sich mit Fragen immanenter formaler Beziehungen, Proportions- und Gewichtsverhältnissen, des Tragens und Lastens, räumlicher Bezüge und Bewegung auseinandersetzen. Prager realisierte zahlreiche Kunst-am-Bau-Arbeiten und Kunst im öffentlichen Raum. Dazu gehören der Skulpturenplatz der Gesamtschule Köln-Ostheim (1972-1980), das „Doppelstück 4/85“ im Skulpturenpark (Skulptur am Fort) der Festung Köln (1985), die „Doppelachse“ am Friesenplatz in Köln (1986) oder das „Drehkreuz“ in der Luftwaffenkaserne der Bundeswehr in Köln-Wahn (1996).

Bundesrechnungshof

Architektur: Josef Trimborn
Bauzeit: 1953-54

Bundesrechnungshof
Adenauerallee 81-83
53113 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen (1954-1988), Auswärtiges Amt (1988-2000), seit 2000 vom Bundesrechnungshof genutzt

Weitere Kunstwerke: Bundesrechnungshof, Bonn