Frank Michael Zeidler : Doppelhorizontal-lichte Sechs 1993

  • Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

  • Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

  • Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

  • Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

  • Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

    Frank Michael Zeidler: Doppelhorizontal-lichte Sechs, 1993 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Arno de la Chapelle (1993)

Die 1993 fertiggestellte Deutsche Botschaft Helsinki gehört zu den attraktivsten Auslandsvertretungen der Bundesrepublik. Das ist sowohl der exquisiten Lage auf der Insel Kuusisaari zu verdanken als auch dem ausgezeichneten Bau des finnischen Architekten Juha Leiviskä und der mit ihm abgestimmten qualitätvollen Innenausstattung. Das lebhaft strukturierte und reich gegliederte zweigeschossige Gebäudeensemble besteht aus zwei L-förmigen Flügeln. In fast spielerischer Auseinandersetzung setzt es sich mit der Umgebung auseinander: Im Nordosten öffnet es sich dem Ziergarten, im Südwesten dem alten Nutzgarten und vom Ehrenhof mit seiner vom Architekten stammenden loggienartigen Stelengruppe im Südosten öffnet es sich dem Grundstücksteil, das wie ein Proszenium zum Ufer überleitet. Auch das Innere des Gebäudes prägt Offenheit. Die schlicht weiß gehaltenen Räume leben vom Eindruck ständig wechselnder Lichtverhältnisse und Ausblicke.
Eine große Rolle spielt die reiche Ausstattung der Botschaft mit Gemälden und Skulpturen. Zwei Wettbewerbe mit beschränktem Teilnehmerkreis wurden 1992 in Absprache mit dem Architekten ausgeschrieben. Dabei strebte man die Korrespondenz der Kunst innen und außen an und war sich gleichzeitig bewusst, dass ein "fertig ausformuliertes architektonisches Konzept", wie es mit Leiviskäs Architektur vorlag, das Entwickeln eines kohärenten Kunstkonzepts erschwerte
Von grundlegender Bedeutung war der Wettbewerb zur Gestaltung der ineinanderfließenden Repräsentationsräume der Residenz, zu dem Frank Badur, Paul Uwe Dreyer, Christian Hanussek, Auli Korhonen, Markku Pääkönen, Peter Schubert, Barbara Steppe und Frank Michael Zeidler geladen waren. Zeidler (Jahrgang 1952) überzeugte mit seinem Entwurf, der sich nach Ansicht aller Beteiligter perfekt mit der Architektur verband, so dass er auf die einstimmige Juryentscheidung hin sechs 40 Zentimeter über dem Boden ansetzende, zwei mal zwei Meter große Bildtafeln an den scheibenartig gestaffelten Wandflächen der Nordseite beziehungsweise Nordwestseite anbrachte. Die in Mischtechnik auf Leinwand erstellten Malereien mit dem Titel "Doppelhorizontal-lichte Sechs" variieren bei gänzlicher Abstraktheit alle Nuancen zwischen Schwarz und Weiß. In einem assoziativen, nicht abbildhaften Illusionismus scheinen die Bilder Anfang und Ende von Licht und Farbe zu thematisieren. Im Ausreizen extrem heller und extrem dunkler Lichtwerte generieren sie eine zwischen innerer und äußerer Anschauung angesiedelte, wolkenhaft anmutende Atmosphäre. Das einzelne Bild verfügt über keine eigene Gravitation und nimmt den Blick nicht gefangen. In der Serialität vor allem sind die Gemälde präsent, ohne sich dem Raum unter- oder überzuordnen. Vielmehr gehen sie mit der vertikal bestimmten lichten Innenarchitektur ein gelungenes kontrapunktisches Verhältnis ein. Die vom Künstler ursprünglich beabsichtigte, sicherlich noch elegantere und zwingendere Lösung einer fünf Zentimeter tiefen Einlassung der Bilder in die Wand war bautechnisch nicht mehr möglich. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel (Autor), BMVBS (Hrsg.): Kunst am Bau bei Deutschen Botschaften und anderen Auslandsbauten. BMVBS-Online-Publikation 11/2011.


Malerei
Mischtechnik auf Leinwand
200 x 200 cm
92.033 €
nicht-offener Wettbewerb / Einladungswettbewerb mit 8 Teilnehmern

Deutsche Botschaft Helsinki, Kanzlei und Residenz
Wandflächen in der Residenz
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Frank Michael Zeidler, geboren 1952 in Leipzig, ist Maler. Er wuchs in Ulm an der Donau auf und studierte zunächst Germanistik und Philosophie in Tübingen, bevor er 1978 an die Hochschule für bildende Künste Berlin wechselte, um Malerei und Grafik zu studieren. 1982 schloss er das Studium als Meisterschüler bei Martin Engelman ab. Seither ist Zeidler vornehmlich als Maler und Zeichner tätig, daneben hat er seit 1992 mehrere interdisziplinäre Projekten realisiert, u.a. mit dem Komponisten André Werner. Im Jahr 2000 gründete Zeidler mit Hubertus von der Goltz das Kunsthaus Potsdam und initiierte 2002 den Kunstverein Kunsthaus Potsdam. Daneben engagierte er sich auch berufspolitisch, u.a. als langjähriger 1. Vorsitzende des Deutschen Künstlerbundes und Vorsitzender der Berufsgruppe I (Bildende Künstler) des Verwaltungsrates der VG Bild-Kunst sowie als Vorstandsmitglied Member of the board of Stiftung Kunstfonds.

Deutsche Botschaft Helsinki, Kanzlei und Residenz

Architektur: Juha Leiviskä, Helsinki
Bauzeit: 1991-93

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Krogiuksentie 4b
00340 Helsinki
Finnland

Für den Neubau der Deutschen Botschaft in Helsinki wurde 1985 ein beschränkter zweistufiger und anonymer Wettbewerb ausgelobt, an dem 34 deutsche und finnische Architekten teilnahmen. Realisiert wurde der Bau 1991-93 nach den Plänen des finnischen Architekten Juha Leiviskä, der für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.