Walter Womacka : Der Mensch überwindet Zeit und Raum 1971

  • Walter Womacka: Der Mensch überwindet Zeit und Raum, 1971 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / schmedding.vonmarlin (2016)

    Walter Womacka: Der Mensch überwindet Zeit und Raum, 1971 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / schmedding.vonmarlin (2016)

  • Walter Womacka: Der Mensch überwindet Zeit und Raum, 1971 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / schmeddng.vonmarlin (2016)

    Walter Womacka: Der Mensch überwindet Zeit und Raum, 1971 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / schmeddng.vonmarlin (2016)

Der im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstörte Alexanderplatz in Berlin wurde mit dem Ziel wieder aufgebaut, für den Verkehrsknotenpunkt eine Lösung von urbaner Qualität zu finden, die dem Platz im Zentrum der „Hauptstadt der DDR – Berlin“ ein repräsentatives Aussehen verlieh. Nach zwei städtebaulichen Wettbewerben erfolgte ab 1967 die Neugestaltung des Alexanderplatzes, der bis heute von den in den 1960er Jahren realisierten Bauten geprägt ist. Das Haus des Reisens entstand zwischen 1969 und 1971 am Nordrand des Platzes als 17-geschossiges Punkthochhaus mit vorgelagertem zweigeschossigem Flachbau. Das Architektenkollektiv Roland Korn und Johannes Brieske entwarfen das Gebäude in Stahlskelettbauweise mit Aluminium-Vorhangfassade und geschwungenen Betonschalen-Elementen, die das Sockelgeschoss bekrönen. In seiner Gestaltung ist das Haus des Reisens ein gelungenes Zeugnis der Ost-Berliner Nachkriegsmoderne. Seine markante Erscheinung macht es bis heute zu einem prägenden Fixpunkt im innerstädtischen Raum. Für die Ost-Fassade zur Otto-Braun-Straße entwarf Walter Womacka (1925–2010) die Kupfertreibarbeit „Der Mensch überwindet Zeit und Raum“. Das blockhafte Relief befindet sich als dreidimensionaler Raumkörper noch vor der Fassade und unterbricht die Serialität des Fensterbandes im 1. Stock des zweigeschossigen Vorbaus. Im Zentrum sind ein junges Paar und ein Kosmonaut zusehen, die auf beiden Seiten von Reisemotiven, bestehend aus Landschaftsfragmenten wie Wasser mit einem Schiffssteuerrad, Bäumen und Vögeln sowie der Sonne, umgeben sind. Der Titel des Kunstwerks und auch sein Erscheinungsbild zeigen das im Sozialismus propagierte Ideal von Technik und Fortschritt, die die Möglichkeit bargen, Reiseziele potentiell zu den Himmelskörpern zu erweitern. Die Geste des Kosmonauten erinnert an einen Pioniergruß, den er hinaus in die Welt sendet. Walter Womacka war als Vertreter des sozialistischen Realismus einer der führenden Künstler im Bereich der Kunst am Bau der DDR und wurde gleich für mehrere Kunst-am-Bau-Projekte an Ministeriumsbauten beauftragt, für die er inhaltlich passende Motive entwickelte. Das Haus des Reises beherbergte bis zur Wende die Hauptdirektion des „Reisebüro der Deutschen Demokratischen Republik” sowie Büros der Fluggesellschaft „Interflug”. Diese Funktionen wurden in einem sozialistischen Sinn durch „Der Mensch überwindet Zeit und Raum“ bildlich überhöht. Heute befinden sich in dem inzwischen unter Denkmalschutz gestellten Gebäude unter anderem Clubs sowie Büroräume. LK

Weiterführende Literatur Online:
Anne Schmedding / Constanze von Marlin / Anna-Sophie Laug / Lisa Kreft (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 150 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes seit 1950, BBSR-Online-Publikation 02/2019, März 2019.


Relief / Plastik
Kupferrelief
5 x 24 Meter

Haus des Reisens
Ostfassade
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Walter Womacka

Walter Womacka (1925 Obergeorgenthal, heute Horní Jiřetín/Tschechien - 2010 Berlin) arbeitete als Maler und Grafiker und schuf zahlreiche architekturgebundene Arbeiten im Auftrag der DDR. Nach einer Ausbildung zum Zimmer- und Dekorationsmaler in Teplitz-Schönau (heute Teplice/Tschechien) studierte Womacka Gebrauchsgrafik in Braunschweig und befasste sich erstmals mit Glastechnik. In den 1950er Jahren widmete er sich der Wandmalerei in Weimar und Dresden bei Fritz Dähn und Rudolf Bergander. Über zwanzig Jahre lang leitete er die Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Von 1959 bis 1988 war er Vizepräsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR und nahm allein drei Nationalpreise der DDR entgegen. Zu seinen baugebundenen Werken zählen u. a. in Berlin die Wandbilder für das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR und das Ministerium für Bauwesen der DDR, der Brunnen der Völkerfreundschaft in Berlin und das Relief für das Haus des Reisens.

Haus des Reisens

Architektur: Architektenkollektiv Roland Korn, Johannes Brieske und Roland Steiger
Bauzeit: 1969-71

Haus des Reisens
Alexanderstraße 7 / Ecke Otto-Braun-Straße
10178 Berlin

Nach zwei städtebaulichen Wettbewerben erfolgte ab 1967 die Neugestaltung des Alexanderplatzes. Am Nordrand des Platzes wurde zwischen 1969 und 1971 das Haus des Reisens errichtet, das neben der Generaldirektion des Reisebüros der DDR das Stadtbüro der staatlichen Fluggesellschaft Interflug und einige Abteilungen des Ministeriums für Verkehrswesen beherbergte.

Weitere Kunstwerke: Womacka, Walter