Wolf Vostell : Der Dialog 1978

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

  • Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

    Wolf Vostell: Der Dialog, 1978 / © VG Bild-Kunst, Bonn; Fotonachweis: BBR / Cordia Schlegelmilch (2013)

An Kunst-am-Bau in Sitzungsräumen wird mitunter die Erwartung geknüpft, dass sie die Raumatmosphäre positiv beeinflussen und damit idealerweise auch die Arbeitsergebnisse verbessern möge. Dazu wird ihr ein besonderer Resonanzraum eingeräumt. Denn egal ob sich die Nutzer der Sitzungsräume in einer Lernsituation mit gespannter Aufmerksamkeit oder in einem Seminar befinden: Die Kunst im Arbeitsraum wird von ihnen häufiger und ausführlicher rezipiert, als im Außenraum befindliche Kunstwerke, die eher im Vorübergehen wahrgenommen werden.
Wolf Vostell hat mit seiner Installation „Der Dialog“ für den großen Sitzungssaal im Kasino- und Sitzungssaalgebäude (Haus 10) des Bundesinnenministeriums die besondere Situation eines solchen Ortes aufgegriffen und geradezu zum Thema gemacht, indem er eine Frau und einen Mann einmal als Einzelperson und einmal als einander zugewandtes Paar in Reliefs zur Darstellung bringt. Seine Arbeit nutzt keine der üblichen Strategien, durch zurückhaltende Begleitung in angenehmen Farben die Atmosphäre aufzuhellen, sondern formuliert die Situation eines Dialogs deutlich. Dazu trägt die abbildende Funktion seiner dreidimensional aus dem Bildfeld heraus tretenden Figuren ebenso bei wie die Positionierung der drei Tableaus auf einander gegenüber liegenden Wänden oder die Tatsache, dass die Reliefs jeweils fast die gesamte Wandhöhe einnehmen. Durch die Anordnung im Raum und die starke Plastizität werden die Arbeiten geradezu körperlich von den im Raum sitzenden und handelnden Personen wahrgenommen. Dass Vostell die Figuren wie das gesamte Bildfeld mit Blei ummantelt entspricht dabei anderen Arbeiten des Künstlers, der einerseits als Layouter arbeitete und dabei durchaus die Gewohnheiten seines Publikums berücksichtigen musste, andererseits aber mit seiner künstlerischen Arbeit durchaus zu provozieren wusste. Dabei hatte seine Verwendung von Blei und vor allem Beton sehr häufig mit dem Verweis auf Isolation und Entfremdung zu tun, also dem genauen Gegenteil eines Dialogs, der eine Verbindung beider Partner voraussetzt. Allerdings setzte Vostell Provokationen vor allem ein, um Missstände zu verdeutlichen und damit auch Kommunikation in Gang zu bringen. Im Gegensatz zur sehr ähnlichen und ebenfalls als Kunst am Bau realisierten Arbeit „Der verletzte Mensch“, die Vostell 1977 für einen Sitzungsraum des Deutschen Entwicklungsdienstes in Berlin geschaffen hat, bleiben seine bleiummantelten Figuren hier ohne sichtbare Verletzung. Lediglich das isolierende Material Blei überrascht in der kommunikativen Situation des Sitzungssaals, da es in deutlichem Kontrast zur kräftigen Farbgebung der Wand- und Deckengestaltung und zum Mobiliar steht. MS/JS/UC

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.

Weiterführende Literatur:
60 x Kunst am Bau aus 60 Jahren, hrsg. v. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Berlin 2010, S. 88f.


Relief / Plastik
Blei
Direktvergabe

Kasino- und Sitzungssaalgebäude
großer Sitzungssaal
nicht öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Wolf Vostell

Wolf Vostell (1932 Leverkusen - 1998 Berlin) war ein deutscher Bildhauer, Maler und Konzeptkünstler, der als einer der Wegbereiter des Happenings und des Environments gilt und Mitbegründer der Fluxus-Bewegung war. Er hat zahlreiche Aufsehen erregende Happenings und Aktionen realisiert und zudem auch größere Arbeiten im öffentlichen Raum, wie „Ruhender Verkehr“ (Köln, 1969) oder „2 Betoncadillacs in Form der nackten Maja“ (Berlin, 1987). 1976 gründete Vostell in Malpartida de Cáceres in Spanien das Museo Vostell Malpartida.

Kasino- und Sitzungssaalgebäude

Architektur: Bundesbaudirektion (Eberhard Schulz)
Bauzeit: 1977-1979

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat
Graurheindorfer Str. 198
53117 Bonn
Nordrhein-Westfalen

Die auf der 1913-15 als Düppelkaserne eingerichtete Liegenschaft wird seit 1949 vom Innenministerium genutzt. Hierfür wurde der Baubestand in den 1950er-Jahren mehrfach um- und ausgebaut; 1968/69 kam das 12-geschossige Hochhaus und 1977–79 das Kantinen- und Sitzungssaalgebäude im Innenhof hinzu.