Karl Schlamminger : Chronoskulptur 1993

  • Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: BBR Archiv

    Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: BBR Archiv

  • Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: BBR Archiv

    Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: BBR Archiv

  • Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: Deutsche Botschaft Athen (2017)

    Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: Deutsche Botschaft Athen (2017)

  • Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: Deutsche Botschaft Athen (2017)

    Karl Schlamminger: Chronoskulptur, 1993 / © Karl Schlamminger; Fotonachweis: Deutsche Botschaft Athen (2017)

Beim Bau der Deutschen Botschaft im Athener Stadtzentrum waren die architektonischen Entfaltungsmöglichkeiten beschränkt. Die Athener Behörden verlangten, das Botschaftsgebäude der gegenüberliegenden denkmalgeschützten britischen Botschaft anzupassen. Insofern fällt die Deutsche Botschaft im städtebaulichen Kontext von Athen weniger durch eine offensive formale Raffinesse auf, eher durch eine gewisse Noblesse. Diese ist dem aus Nordgriechenland stammenden weißen Marmor, der dezenten Rhythmisierung der ansonsten gleichförmigen Lochfassade und einigen besonderen Details zu verdanken. Zu diesen gehören etwa die getreppten Brüstungen und Stürze der Fenster und die sich den Blicken der Passanten entziehenden Säulen, die die Fenster des obersten Geschosses flankieren.
Das Unterscheidungs- und Alleinstellungsmerkmal der Botschaft aber bilden die elegante verspiegelte eingezogene Gebäudeecke und die dafür konzipierte Kunst am Bau. Der Münchner Bildhauer und Architekt Karl Schlamminger realisierte in der Ecknische des Gebäudes über dem gestalteten Schutzgitter aus Edelstahl eine Uhr. Die besteht aus einer goldenen Kugel und Ziffern, die an den eingezogenen Wandstreifen angebracht sind. Gemeint als Symbol der Sonne, steigt und sinkt die Kugel im Verlauf von zwölf Stunden auf eigens angebrachten Edelstahlschienen. In einer Dreistundenskalierung finden sich auf der einen Seite arabische, auf der anderen griechische Ziffern.
Karl Schlamminger, der als Kunstprofessor lange in Persien und in der Türkei lebte und lehrte, war auch für die Deutschen Botschaften von Tel Aviv und Riad oder für das Bundeswehrkrankenhaus in Leipzig künstlerisch tätig. Gut bekannt ist sein 2003 auf dem Joachimsthaler Platz in Berlin aufgestellter 27 Meter hoher Pendelobelisk. Einen Schwerpunkt dieser und anderer Arbeiten Schlammingers bilden „Interaktionen zwischen Objekten und Architektur“ (K. Schlamminger). Das geht bis hin zu komplexen Gestaltung von Räumen aus Plexiglas oder Landschaftsgestaltung mit infrastrukturellem Hintergrund.
Auch in Athen interagiert Schlammingers Kunst mit dem Bau, wenn auch in einem eher applikativen Sinn. Der funktionale Aspekt der wirkungsvoll gegen das Weiß des Marmors und das Spiegelglas gesetzten goldenen Kugeluhr tritt hinter dem dekorativen, dabei symbolischen Aspekt und auch hinter der völkerverbindenden Geste der unterschiedlichen, dabei aber auf das universelle Phänomen Zeit bezogenen Ziffern deutlich zurück. MS

Weiterführende Literatur Online:
Martin Seidel / Johannes Stahl (Autoren), Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Hrsg.): Kurzdokumentation von 200 Kunst-am-Bau-Werken im Auftrag des Bundes von 1980 bis 2010. BBSR-Online-Publikation 13/2014, Bonn, Dezember 2014.


kinetische Arbeit
blattvergoldete Kunststoffkugel, Motor, vergoldete Ziffern, Edelstahlschienen
Kugel: Ø 95 cm
Wettbewerb mit 6 Teilnehmern

Deutsche Botschaft Athen, Kanzlei und Residenz
Fassade, in der Ecknische des Gebäudes
öffentlich zugänglich/einsehbar

Künstler : Karl Schlamminger

Karl Schlamminger, geboren 1935 im Allgäu, ist ein Münchner Bildhauer und Architekt. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und hatte Lehraufträge an der Akademie der schönen Künste in Istanbul/Türkei und an der Universität Teheran/Iran. Karl Schlamminger schuf Kunst-am-Bau-Werke für die Deutschen Botschaften von Riad/Saudi-Arabien und Tel Aviv/Israel und das Bundeswehrkrankenhaus in Leipzig. 2003 wurde auf dem Joachimsthaler Platz in Berlin seine 27 Meter hohe Skulptur „Pendelobelisk“ aufgestellt. Schon früh rückte er die Interaktion zwischen Objekten und Architektur in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Beispielsweise entwarf er mit dem iranischen Architekten Nader Ardalan für die Eröffnungsausstellung des Cooper-Hewitt, National Design Museum in New York 1976 einen Raum aus Plexiglas. In Bezug auf die islamische Kunst und Architektur gestaltete Schlamminger auch das Innere der Ismaili Centres in London und Lissabon.

Deutsche Botschaft Athen, Kanzlei und Residenz

Architektur: Bundesbaudirektion (Kurt Sadewasser/Eberhard Schultz)
Bauzeit: 1989-1993

Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
Karaoli & Dimitriou 3
10675 Athen-Kolonaki
Griechenland

Als die diplomatischen Beziehungen mit Griechenland 1950 wieder aufgenommen wurden, war die Deutsche Botschaft in Athen im Hotel Grande Bretagne untergebracht. 1953 zog sie in ein Gebäude in der Issiodou-Straße 22, 1959 in ein Gebäude am heutigen Standort, das 1969 erworben werden konnte. Nach dem großen Erdbeben von 1981 wurden die Bestandsbauten abgetragen und nach Plänen der Bundesbaudirektion ein Neubau errichtet, der im Oktober 1993 bezogen wurde.